Erfahrungsbericht mit der HTC Vive Pro

Dieses Thema im Forum "Systemvergleich & Usertests" wurde erstellt von stoeppel, 21. April 2018.

  1. … nach zwei Wochen intensiver Nutzung möchte ich meine Eindrücke zur HTC Vive Pro einmal loswerden. Es geht mir hier nicht um einen technischen Bericht, sondern rein um meine Eindrücke zur HTC Vive Pro.

    (Meine Konfiguration: I7 8700K, 32GB Ram, 1080 TI)

    Diese möchte ich anhand von drei Punkten beleuchten

    - Bildeindruck
    - Audioeindruck
    - Komfort

    Anschließend möchte ich aus meiner Sicht darstellen, ob der Preis nun zu hoch, zu niedrig oder genau richtig ist.


    Bildeindruck:
    Mit Erscheinen der Vive Pro erschien auch eines meiner favorisierten Spiele: Skyrim VR. Dieses habe ich bereits ein paar Stunden auf der PS VR gespielt, war aber von der Steuerung mit Move enttäuscht und auch die Grafik war nicht wirklich „gut“. Beeindruckend für die PS4 – mehr aber auch nicht.

    Auf der Vive Pro hatte ich mit Skyrim gleich mein erstes AHA-Erlebnis. Es wirkte alles so „klar“. Ich konnte am Nachthimmeldie Sterne sehen und am Tag die Bäume – in ihren Strukturen – auseinanderhalten. Dann konzentrierte ich mich mehr auf alles Nahe. Das Gras und Blumen wirkten auf einmal so scharf sowie die gesamte Schrift.

    Nach einer Woche Skyrim VR auf der Vive Pro, habe ich die Oculus angestöpselt und Skyrim VR erneut gestartet (SS 2.0). Das Bild ist bei weitem nicht so klar. Bäume verschwimmen in einem Einheitsbrei, da Äste nicht mehr so scharfe kannten haben. Auch Objektive aus der Nähe wirken bei weitem nicht so klar. Schrift ist lesbar, aber ich fange dann an so hoch und runter zu schauen, um manche „Kante“ besser erfassen zu können.

    Speziell bei Skyrim VR würde ich dem Bild gefühlt 60 – 70% mehr an Qualität zurechnen. Interessant ist aber, dass das nicht auf jedes Spiel zutrifft. Beispielsweise verschwimmen die Bäume in Fallout VR auf der Pro ähnlich schnell wie auf der normalen Vive. Der Unterschied ist her deutlich weniger zu Gunsten der Pro ausgeprägt.

    Doom VR wirkt bereits auf einer Vive knackig und gewinnt auf der Pro dezent dazu. „Schnelle“ Spiele wie Dirt oder Rez machen Gebraucht von der hohen Auflösung, aber diese kann eben durch die hohe Geschwindigkeit weniger ihre Stärken ausspielen. Aber sie ist klar sichtbar.

    Die Sony lasse ich hier außen vor. Diese würde bei bleichem Spiel aufgrund der Hardware naturgemäß verlieren. Spiele wie Wipe Out oder Moss zeigen aber deren Daseinsberechtigung mehr als deutlich. Es geht auch auf der PS VR – aber ich würde nicht jedes Genre empfehlen wollen.

    Die good rays sind ähnlich stark wie auf der Vive 1, anders als auf der OR und PS VR.

    Audioeindruck
    Ohne das Update war ich doch schon leicht irritiert. Der Sound war erstaunlich kraftlos – deutlich schlechter als bei der Oculus und schlechter als bei handelsüblichen In Ears.

    Nach dem Update ist der Sound nun kraftvoller – kommt aber immer noch nicht an die der OR heran. Das Finde ich insgesamt „schade“ und sollte in Anbetracht des Preises klar besser sein. Ich hoffe hier wird noch nachgelegt. Derzeit würde ich ihn als in Ordnung bezeichnen. OR oder das DAS zeigen, wie es besser.

    Komfort
    Hier kann ich es kurz machen: Dieser ist gut. Es ist kein Vergleich mehr zur UR-Vive. Ich finde zu jedem HMD gehören Kopfhörer und ein komfortables „Tragesystem“ (heute) dazu. Sie ist zwar schwerer wie die OR, beide sind aber ähnlich komfortabel – gleichauf mit der Sony. Den Sweetspot finde ich schnell und verliere diesen dann auch nicht mehr. Der hintere Bereich ist gut gepolstert und drückt auch nach 45 Minuten nicht. Das Kabel stört erstaunlich „wenig“ und verdreht sich nicht doll wie bei der OR.

    Fazit
    Sind die fast 900 Euro „gut“ investiert? Es kommt darauf an, was und wie viel man spielt. Generell kann man ja auch günstigere und teure Monitore kaufen (60Hz oder 144Hz, FHD oder UHD, verschiedene Größen).

    Für mich hat sich die Investition gelohnt. Meine bevorzugten Spiele profitieren zum Teil deutlich von der höheren Auflösung. Es ist mein Hobby – welches ich neben der Fotografie – betreibe. VR ist am Anfang und längst noch nicht ausgereift. Daher freue ich mich über jede Entwicklung. Diese machen sich derzeit noch – aus meiner Sicht – stark bemerkbar. Das ist in der Fotografie beispielsweise nicht mehr so. Wer aber denkt, die Preise würden sinken irrt gewaltig. Objektive werden eher teurer. Es sind die Kamerabodies, wo der Fortschritt nur noch sehr langsam (da ausgereift) vorangeht.

    Auch im Bereich VR wird es mal nicht anders sein bzw. erleben wir ja auf vielen Gebieten. Die Qualität der ersten VR-Generation bekommt man inzwischen relativ günstig, neue Entwicklungen bzw. Schritte zahlt man mit deutlichen Zuschlägen.

    Aber immer wenn es im das Bild oder guten Sound ging, war es auch beim PC nie günstig. Warum sollte sich das in Sachen VR ändern?

    Die Frage wird sein, was einem selbst eine gewisse Qualitätsstufe wert ist. Nicht jeder ein TV für 5000 Euro, sondern viele sind zufrieden mit Geräten um die 1000 Euro – die die Technik von vor 3 oder 4 Jahren eingebaut haben.

    Ich glaube inzwischen auch, dass es hier in Zukunft mehr Angebote in verschiedenen Preisbereichen geben wird. Und die 1300 Euro (mit Tracking), die da derzeit aufgerufen werden, werden auch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

    Derzeit sollte man sich fragen, will ich VR nutzen und wenn ja, wie oft. Davon würde ich dann auch mein Budget abhängig machen.

    Der Vergleich zur Samsung zählt für mich derzeit nicht und ich würde sie auch keinem Neuling empfehlen. Warum? Garantieansprüche bei Import sind eine komplizierte Sache. Man zahlt ca. 600 – 650 Euro. Die wären dann „weg“, wenn das Gerät einen technischen Defekt hat. Derzeit gibt es auch keine Langzeiterfahrungen. Bei Vive und OR kommt es immer wieder zu Ausfällen – gut wenn man es umtauschen kann (Serviceschwierigkeiten mal ausgenommen).

    Also was bleibt?
    Eine PS VR würde ich jedem empfehlen – insbesondere wegen der Exklusivtitel. Das Tracking ist funktional. Auf Titel mit Move kann man verzichten, dann besser mit Controller. Ausnahme ist der Waffencontroller und Far Point. Alleine für Wipe Out sollte man sich die PS VR holen. Bei Amazon Warhouse bekommt man sie für ca. 250 Euro und Wipe Out gebraucht für 20 Euro.

    Die OR auf dem PC bleibt erste Wahl für Einsteiger auf dem PC sowie dem vorhandenen Exklusivangebot. Die Einrichtung des dritten Sensors kann etwas nerven, das Tracking ist dann ähnlich gut wie mit der Vive.

    Wer das derzeit beste Bild sowie das beste Tracking haben möchte, der kommt um die Vive Pro nicht herum. Die Gründe habe ich bereits aufgezählt. Ob es das wert ist, liegt an den persönlichen Präferenzen und auch am Vorhandensein der notwendigen PC-Power.

    Die Windows-HMDs kann ich derzeit nichtempfehlen – nicht für die in Europa aufgerufenen Preise. 200 Euro wären zum hineinschnuppern ja noch OK oder für mobile Einsätze, aber 400 Euro für mich nicht. Man merkt den Unterschied in Sachen Bildqualität (LCD) deutlich aber auch das Tracking ist deutlich empfindlicher als das der OR oder Vive und somit anfälliger für Ausfälle.

    Die Samsung für um die 400 Euro sowie erhältlich bei deutschen Händlern wäre eventuell künftig eine Empfehlung wert. Auch hier spielt der konkrete Anwendungsfall eine nicht ganz unwichtige Rolle.


    SolKutTeR: Beitrag verschoben
     
    #1 stoeppel, 21. April 2018
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 21. April 2018
    linda.w, Michael1, nullptr und 4 anderen gefällt das.
  2. Schöner Bericht.
    Interessant war für mich der beschriebene Tragekomfort.
    Leider ist die Pro ein Generation 1,5 Zwischenmodell und da schaue ich eher auf den Nachfolger.
    Ich spekuliere auch auf einige Zusatzfunktionen der Gen2 Brillen.Wenn,was und überhaupt davon realisiert wird.
    Auch das Spieleangebot ist für mich nicht wirklich toll,bei HTC wohl besser als mit meiner (noch) Rift.
     
  3. Hallo Stoeppel,

    danke für deinen Bericht!

    Ich habe kürzlich die Steam Beta benutzt. Soweit ich das verstanden habe wird das SS dann von Steam geregelt und auch angepasst während man spielt. Ich habe nur die Vive (nicht die Pro).

    Das Bild in Elite Dangerous ist mit der Steam Beta viel klarer. Allerdings habe ich an manchen Stellen Ruckler feststellen müssen. Beispielsweise wenn ich an einer Sonne ankomme nach einem Sprung, oder im Asteroidenfeld wenn es dort viele Raumschiffe gibt, die um einen herumfliegen.

    Warum erzähle ich das in diesem Zusammenhang?
    Ich musste feststellen, dass mein PC noch nicht mal die Vive richtig "füttern" kann. Die Vive kann mehr als mein derzeitiger PC.

    Mein PC hat 24 GB RAM
    Eine GTX 1070
    Eine Xeon Prozessor (älteres Modell) mit 6 Kernen (12 Threads) übertaktet sind alle 6 Kerne gleichermaßen auf 3,85 Ghz

    Ich habe auch Benchmarks, sowohl für normale 2D Spiele und auch für VR Spiele verglichen um herauszufinden ob sich für mich die Neuanschaffung eines PC lohnt, weil sich dadurch die VR Leisung verbessern würde.
    Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass ich mit einem modernen Skylake Prozessor (400 Euro Modell), wenn ich die GTX 1070 behalten würde, gerade mal ca 7 bis 9 Prozent meht Leistung kommen würde. Gemäß meiner Analyse limitiert die GTX 1070 die VR Leistung.
    Mit einer GTX 1080Ti würde ich tatsächlich eine deutlichere Steigerung der VR Leistung erzielen.

    Nur mal so als Richtwert welche Rechenpower für VR benötigt wird.
     
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  4. Die Funktion ist schon vor einer Weile in die Non-Beta rübergewandert.
     
  5. ich habe gelesen, dass eine automatische Anpassung je nach Rechner erfolgt - wo kann man das einstellen?
     
  6. ja..aber keine Optimierung..
    More Details:
    • This feature takes the setting previously known as supersampling, and automatically adjusts it on startup based on the performance of your GPU with your headset.
    • This setting does not dynamically adjust per application or during application use.
    • If your GPU can't make native resolution on Vive Pro or Windows MR headset, it will scale down and bottom out at the equivalent megapixels per second as a first generation Vive or Rift.
    • If your GPU can't make native resolution on a first generation Vive or Rift, it will not automatically be set below native resolution (and it will perform the same as it did before this update).
    https://vrforum.de/threads/steamvr-resolution-redefined.6633/
     
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  7. Ich hab mir auch die Pro geholt und nachdem ich auf den ersten Blick etwas enttäuscht war (SDE noch da und zwar nicht nur wenn man danach sucht), finde ich sie immer besser, je mehr ich damit spiele. Die Auflösung ist einfach der Gamechanger. Das beginnt schon mit Demos wie The Blue, wo die Fische auf einmal wie Fische aussehen und nicht mehr wie bunte Pixelhaufen. Skyrim (oder überhaupt alles mit Vegetation) ist so ein Gewinn im Vergleich zur Vive 1. Als ich die nach den Pro Sessions nochmal aufgesetzt habe dachte ich WAS, so habe ich die ganze Zeit gespielt. Man gewöhnt sich schnell an das Bessere.

    DAS aha Erlebnis: Ich hab auf Empfehlung im Vive Pro Thread bei Computerbase mal angefangen Lone Echo auf der Vive Pro zu spielen. Mit Kinnlade am Boden. Das ist wohl das Spiel, was den Vorteil der Pro bisher am deutlichsten zeigt. Die Grafik hat mich echt umgehauen, in diesem Spiel ist die Pro eine waschechte Generation 2.0. Knackscharf und selbst Räumlichkeit und Farben sind ein anderes Level im Vergleich zur Vive 1. Dazu so gut wie kein sichtbarer Screendoor Effekt. Die Hologramme wirken wie echt - Im Computerbase Forum hat einer geschrieben, nachdem man Lone Echo auf der Pro gespielt hat bereut man keinen Cent mehr. Das kann ich absolut unterschreiben. Einfach nur Wow. Pro Besitzer, probiert es aus! Demo Material für die Pro pur. Die Steuerung mit den Vive Controllern funktioniert auch einwandfrei.

    Auch Arizona Sunshine macht einen riesen Schritt nach vorn. Gegner sind auch in mittlerer Entfernung noch scharf, was dem Zielen sehr zu Gute kommt. Zudem ist das Flimmern sehr deutlich weniger. Das Spiel skaliert auch supergut mit der höheren Auflösung.

    Bissel enttäuscht war ich dagegen bei Project Cars 2. Der scharfe Bereich bzgl. Sichtweite hat sich zwar ordentlich vergrößert (gerade wenn man mal mit der Vive 1 gegencheckt), aber es ist noch viel zu wenig. Hier hatte ich irgendwie noch mehr erhofft. Richtig profitiert hat hier eher das Cockpit, welches wirklich viel detaillierter und schärfer erscheint. Bei Rennspielen ist aber noch viel Luft nach oben.

    Insgesamt ist die Vive Pro (leider[​IMG]) geil und wird nicht mehr hergegeben. Zurück kann ich nicht mehr. Ein (zu) teurer Spaß sicher, aber Spaß macht sie.
     
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